Kino 2026: Das Kino ist noch lange nicht tot
Das Kino ist tot. Diesen Satz hört man seit Jahren immer wieder. Streamingdienste wie Netflix, Disney+ und Amazon Prime Video hätten das klassische Kino längst überflüssig gemacht, die Ticketpreise seien zu hoch und dank großer Fernseher und Heimkinoanlagen könne man Filme sowieso besser zuhause schauen.
Doch die aktuellen Kinozahlen 2026 zeichnen ein deutlich anderes Bild.
Das erste Halbjahr 2026 war für die deutschen Kinos ausgesprochen stark. Die Besucherzahlen nähern sich wieder dem Niveau vor der Corona-Pandemie an und beim Umsatz wurde das erste Halbjahr 2019 sogar bereits übertroffen.
Ist das vermeintliche Kinosterben also vielleicht gar keines?
Kino 2026: 47,5 Millionen verkaufte Tickets
Nach Angaben der Filmförderungsanstalt FFA wurden im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland rund 47,5 Millionen Kinotickets verkauft.
Damit stieg die Zahl der Besucher gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres deutlich an.
Besonders interessant wird die Entwicklung, wenn wir 2026 mit dem Jahr 2019 vergleichen.
2019 war das letzte vollständige Kinojahr vor der Corona-Pandemie und bietet deshalb einen deutlich sinnvolleren Vergleich als die außergewöhnlichen Kinojahre zwischen 2020 und 2022.
Im ersten Halbjahr 2019 wurden in Deutschland rund 53,7 Millionen Kinotickets verkauft.
Der Vergleich:
1. Halbjahr 2019:
53,7 Millionen Kinotickets
1. Halbjahr 2026:
47,5 Millionen Kinotickets
Damit liegen die Besucherzahlen 2026 noch ungefähr 11 Prozent unter dem Niveau von 2019.
Das klingt zunächst nach einem Rückgang. Betrachtet man jedoch die Entwicklung der vergangenen Jahre, ist die Situation deutlich positiver.
Das Kino hat sich von den massiven Einbrüchen während der Pandemie weitgehend erholt.
Beim Kino-Umsatz liegt 2026 sogar vor 2019
Noch interessanter ist die Entwicklung beim Umsatz.
Im ersten Halbjahr 2019 erzielten die deutschen Kinos einen Umsatz von ungefähr 461,5 Millionen Euro.
Im ersten Halbjahr 2026 waren es dagegen bereits rund 502,2 Millionen Euro.
Damit liegt der Umsatz ungefähr 9 Prozent über dem Niveau von 2019.
Natürlich muss man diese Zahl richtig einordnen.
Kinotickets sind heute teilweise deutlich teurer als noch vor einigen Jahren. Hinzu kommen Aufpreise für IMAX, Dolby Cinema, 3D oder besonders hochwertige Kinosäle.
Der höhere Umsatz bedeutet deshalb nicht automatisch, dass mehr Menschen ins Kino gehen.
Trotzdem zeigt die Entwicklung eines ziemlich deutlich:
Von einem zusammenbrechenden Kinomarkt kann aktuell kaum die Rede sein.
2019 und 2026 im direkten Vergleich
Die wichtigsten Zahlen noch einmal übersichtlich:
| Kino Deutschland | 1. Halbjahr 2019 | 1. Halbjahr 2026 |
|---|---|---|
| Kinotickets | 53,7 Mio. | 47,5 Mio. |
| Umsatz | 461,5 Mio. € | 502,2 Mio. € |
| Besucherentwicklung | – | ca. -11 % |
| Umsatzentwicklung | – | ca. +9 % |
Beim Umsatz befindet sich das deutsche Kino damit bereits wieder über dem Vor-Corona-Niveau.
Bei den Besucherzahlen fehlt zwar noch etwas, doch der Abstand ist inzwischen deutlich kleiner geworden.
Das Kino funktioniert nicht nur wegen eines einzigen Blockbusters
Eine weitere interessante Entwicklung zeigt sich bei der Anzahl erfolgreicher Filme.
Im ersten Halbjahr 2026 erreichten bereits 14 Filme mehr als eine Million Besucher in Deutschland.
Das waren sechs Filme mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Damit verteilt sich der Erfolg auch auf verschiedene Produktionen.
Das ist wichtig, denn häufig wird behauptet, dass Menschen nur noch für gigantische Franchise-Filme wie Marvel, Avatar oder Jurassic World ins Kino gehen.
Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass auch andere Produktionen ihr Publikum finden können.
Filme wie Michael, Extrawurst, The Housemaid, Project Hail Mary oder Hoppers gehörten ebenfalls zu den erfolgreichen Kinofilmen des Jahres.
Das Kino lebt also nicht ausschließlich von einem einzigen großen Franchise.
Auch deutsche Filme sind 2026 erfolgreich
Besonders stark entwickelte sich im ersten Halbjahr 2026 auch der deutsche Film.
Rund 12,2 Millionen Kinotickets wurden für deutsche Produktionen verkauft.
Der Marktanteil deutscher Filme lag damit bei ungefähr 26,5 Prozent.
Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das einen deutlichen Anstieg.
Mehrere deutsche Produktionen erreichten bereits mehr als eine Million Zuschauer.
Dazu gehörten unter anderem:
- Extrawurst
- Woodwalkers 2
- Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
- Checker Tobi 3
- Die drei ??? – Toteninsel
Das ist durchaus bemerkenswert.
Denn die aktuelle Kinoentwicklung wird damit nicht ausschließlich von internationalen Hollywood-Produktionen getragen.
Auch kleinere Städte profitieren vom Kino-Comeback
Interessant ist außerdem, dass die positive Entwicklung nicht nur in den großen Metropolen stattfindet.
In Städten mit bis zu 50.000 Einwohnern stiegen die Ticketverkäufe im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 18 Prozent.
Kino scheint damit weiterhin ein relevantes Freizeitangebot zu sein – auch außerhalb von Berlin, Hamburg, Köln oder München.
Gerade für kleinere Städte spielt das Kino zudem eine wichtige kulturelle Rolle.
Hat Streaming das Kino also doch nicht getötet?
Streaming hat unsere Art, Filme zu konsumieren, massiv verändert.
Heute können wir innerhalb weniger Sekunden aus Tausenden Filmen und Serien auswählen. Große Fernseher sind erschwinglicher geworden und selbst hochwertige Heimkino-Technik ist längst kein Produkt mehr, das ausschließlich Enthusiasten vorbehalten ist.
Trotzdem gibt es etwas, das Streaming nur schwer ersetzen kann:
Das Erlebnis Kino.
Eine riesige Leinwand, ein leistungsfähiges Soundsystem, ein voller Kinosaal und die Tatsache, sich für zwei oder drei Stunden vollständig auf einen Film einzulassen, schaffen ein vollkommen anderes Erlebnis als das Anschauen zuhause.
Vielleicht war deshalb die Annahme falsch, dass Streaming und Kino zwangsläufig direkte Konkurrenten sein müssen.
Viele Menschen nutzen beides.
Sie schauen regelmäßig Filme und Serien zuhause und gehen gleichzeitig für bestimmte Produktionen bewusst ins Kino.
Kino wird immer stärker zum Event
Meiner Meinung nach hat sich vor allem die Rolle des Kinos verändert.
Früher war ein Kinobesuch für viele Menschen eine relativ normale Freizeitbeschäftigung.
Heute überlegen sich Zuschauer möglicherweise stärker, für welchen Film sie tatsächlich ins Kino gehen.
Gerade Produktionen, die ein besonderes Erlebnis versprechen, profitieren davon.
IMAX, Dolby Cinema, große Leinwände oder Filme, die bewusst für das Kino produziert wurden, können einen zusätzlichen Anreiz schaffen.
Kino entwickelt sich dadurch möglicherweise stärker von einem regelmäßigen Filmkonsum zu einem Event.
Und genau darin könnte auch eine große Chance für die Zukunft liegen.
Trotzdem hat das Kino weiterhin Probleme
Die positiven Zahlen sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin einige Probleme gibt.
Einer der größten Kritikpunkte bleibt der Preis.
Ein Kinobesuch mit Ticket, Getränken und Snacks kann für zwei Personen schnell einen beträchtlichen Betrag kosten.
Noch teurer wird es bei Premiumformaten wie IMAX oder Dolby Cinema.
Dazu kommen für viele Zuschauer Fahrtkosten und teilweise lange Anfahrtswege.
Gleichzeitig konkurriert das Kino mit immer besseren Fernsehern, Soundanlagen und Streamingangeboten.
Das Kino muss deshalb einen echten Mehrwert bieten.
Ein schlechter Kinosaal mit kleiner Leinwand, schlechtem Ton und hohen Preisen wird es langfristig wahrscheinlich deutlich schwieriger haben als ein modernes Kino, das ein Erlebnis bietet, welches zuhause nicht ohne Weiteres reproduziert werden kann.
Die Besucherzahlen sind noch nicht vollständig auf dem Niveau von 2019
Auch wenn die aktuellen Zahlen positiv sind, sollte man deshalb nicht behaupten, dass das Kino bereits vollständig wieder auf dem Niveau von 2019 angekommen ist.
Im gesamten Jahr 2019 wurden in Deutschland ungefähr 113 Millionen Kinotickets verkauft.
2025 waren es rund 91,9 Millionen.
Der Abstand ist also weiterhin vorhanden.
Das erste Halbjahr 2026 zeigt aber eine klare Entwicklung in Richtung Vor-Corona-Niveau.
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte 2026 eines der stärksten Kinojahre seit der Pandemie werden.
Das Kino stirbt nicht – es verändert sich
Genau deshalb halte ich die regelmäßig wiederkehrende Aussage vom „Tod des Kinos“ für übertrieben.
Natürlich hat sich der Markt verändert.
Streaming hat einen großen Teil unseres täglichen Filmkonsums übernommen. Filme müssen heute möglicherweise stärker überzeugen, damit Menschen dafür tatsächlich das Haus verlassen und Geld für ein Kinoticket ausgeben.
Doch das bedeutet nicht automatisch, dass das Kino verschwindet.
Vielleicht erleben wir vielmehr eine Veränderung des Kinobesuchs.
Weniger beliebige Kinobesuche und dafür mehr bewusst ausgewählte Filme.
Weniger „Ich gehe heute einfach mal ins Kino“ und mehr „Diesen Film möchte ich unbedingt auf der großen Leinwand sehen“.
Das Kino wird dadurch möglicherweise stärker zum besonderen Erlebnis.
Fazit: Ist das Kino 2026 wirklich tot?
Nein.
Zumindest liefern die aktuellen Zahlen dafür keinerlei überzeugenden Beweis.
Mit 47,5 Millionen Besuchern im ersten Halbjahr 2026 nähert sich das deutsche Kino wieder deutlich dem Niveau von 2019 an.
Beim Umsatz wurde das erste Halbjahr 2019 mit 502,2 Millionen Euro sogar bereits übertroffen.
Natürlich bleibt die Branche vor Herausforderungen stehen.
Ticketpreise, Streaming, immer bessere Heimkino-Technik und veränderte Sehgewohnheiten werden das Kino auch in Zukunft beschäftigen.
Aber vielleicht sollten wir langsam damit aufhören, jedes Jahr erneut den Tod des Kinos auszurufen.
Kino ist nicht tot. Kino verändert sich.
Und solange Menschen Filme gemeinsam auf einer riesigen Leinwand erleben möchten, wird es wahrscheinlich auch weiterhin einen Platz dafür geben.
Wie sieht es bei euch aus?
Geht ihr 2026 wieder häufiger ins Kino?
Oder schaut ihr mittlerweile fast alle Filme zuhause?
Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
Filmförderungsanstalt FFA – Kinobilanz erstes Halbjahr 2026:
https://www.ffa.de/pressemitteilungen-detailseite.html?meldung=ffa-kinobilanz-fuer-das-erste-halbjahr-2026-475-mio-verkaufte-tickets-in-deutschland
Filmförderungsanstalt FFA – Vergleich und Entwicklung 2019:
https://www.ffa.de/pressemitteilungen-detailseite.html?meldung=evaluierungsbericht-zur-entwicklung-des-ffa-abgabeaufkommens-veroeffentlicht-1
Filmförderungsanstalt FFA – Kinojahr 2019:
https://www.ffa.de/pressemitteilungen-detailseite.html?meldung=ffa-studie-kinobesucher-2019-erholung-auf-allen-gebieten-rekordwerte-beim-verzehr
Filmförderungsanstalt FFA – Kinobilanz 2025:
https://www.ffa.de/pressemitteilungen-detailseite.html?meldung=ffa-legt-kinobilanz-vor-gutes-kinojahr-2025-dank-deutscher-filme
Hinweis: Dieser Artikel wurde redaktionell erstellt und bei Recherche, Strukturierung und Formulierung teilweise mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt.
Neueste Kommentare